Pressestimmen

Maruja Torres, »Luz arroja luz sobre los bebés robados«, El País,»

Mit ihren komplex gestalteten Personen und Situationen entgeht Elsa Osorio der bei diesem dramatischen Thema so nahe liegenden Vereinfachung: Sie stellt die Frage nach der menschlichen Verfassung unter so extremen Bedingungen. Damit gelingt es ihr, etwas so Drängendes wie die Suche nach der eigenen Identität in Literatur zu verwandeln«.

Lluís Satorras, »El terror como paisaje humano«, El País, 20.

Ein ausgezeichneter Roman (...). Die Figuren des Romans verkörpern die gesamte Bandbreite von Verhaltensweisen und moralischen Einstellungen, die in solchen Momenten vorkommen. (...) Aber was diesem menschlichen, sozialen Thema die Besonderheit verleiht, ist die Art und Weise, wie es die Autorin in literarischen Stoff verwandelt. Aus der Vielschichtigkeit dieser ergreifenden Ereignisse ist ein bedeutendes literarisches Gebäude hervorgegangen: eine Struktur, glaubwürdige Figuren, ein Standpunkt, eine reiche und ausdrucksstarke Sprache.


Patricia Alvarez, »En busca de la verdad«, El Correo,

Es gibt in diesem Roman viele Bestandteile einer Kriminalgeschichte: falsche Namen, irreführende Angaben, vernichtete Dokumente, unzählige Hindernisse, die die Wahrheit verbergen und denen die Protagonistin kühn ausweichen muss. Es gibt in A veinte años, Luz auch die unverwechselbare Atmosphäre des Südamerikanischen. Der melodramatischen Geschichte des geraubten Kindes auf der Suche an seinem unbekannten Vater werden andere Geschichten von verhinderter Liebe, Leidenschaften, Hass und Verbrechen hinzugefügt, die sich miteinander vermischen. (...) Aber über die Elemente des Kriminalromans hinaus, die aus A veinte años, Luz eine mitreißende, aufsaugende und erschütternde Geschichte machen, schwingt in diesem Buch eine überzeugende politische Anklage mit.

»Jean Schalekamp, »Los niños perdidos«, Bellver (Diario de Mallorca)

Das Erstaunlichste an diesem Roman, der vollständig auf der grausamen Realität beruht, ist seine große Nüchternheit. Trotz der dramatischen Ereignisse und Situationen, die manchmal schon fast das Melodrama berühren, bleibt der Ton des Romans scheinbar gleichgültig, fast lakonisch, zeitweise mit einem leichten Anflug von Humor und Ironie. (...) Das Buch liest sich wie ein ‚Thriller‘ und es ist, vom Anfang bis zum Ende, so fesselnd, daß es schwer fällt, das Lesen zu unterbrechen. Außerdem ist der Roman ausgezeichnet strukturiert, und alle Personen, einschließlich der zahlreichen Figuren, die an der Seite der Protagonisten ihre Rolle spielen, sind auf eine soziologisch sehr überzeugende Weise widergespiegelt worden. Alle ohne Ausnahme sind lebendige und sehr reale Personen. Kurz: ein großartiger Roman.«

«Josef Oehrlein, FAZ, 13."Martin Grzimek, Frankfurter Allgemeine Zeitung"

Die Darstellung jener Praxis des systematischen Kindsraubs und Kindstauschs während der Militärherrschaft in Argentinien wirkt überzeugend und eindringlich. Elsa Osorio schreibt in einer klaren, unprätentiösen, fast unterkühlten Sprache und enthält sich jeder direkten Schuldzuweisung. Das Buch zeigt, dass selbst in den dunkelsten Momenten Gut und Böse nicht immer deutlich voneinander zu trennen sind.

"Der Spiegel "

Ein wahres Buch (…), und doch ist alles erfunden, so wundersam, so fesselnd, daß man es kaum aus der Hand legen kann.

Karl-Markus Gauss, Neue Zürcher Zeitung

Der Erfolg verdankt sich nicht nur der Aktualität, die das Thema in Lateinamerika hat, sondern auch der Art, wie die Autorin die Sache angeht. Ihr ist ein fesselndes Buch gelungen, das erschüttert."

Hans-Jürgen Schmitt, Süddeutsche Zeitung"

"Es gelingt ihr, fast in Anna Seghers' Manier, sich in ihre Figuren hineinzufühlen und damit jeder Person ihre Authentizität zu verleihen. Selten hat eine lateinamerikanische Erzählerin so überzeugend die Gattung Roman umspielt und die Fiktion dabei zum unerhörten Dokument gemacht."

Christoph Kuhn, Tages-Anzeiger

Der Roman packt den Leser von den ersten Seiten an und wird ihn nach Beendigung der Lektüre nicht so schnell loslassen."

 

 

Kulturweltspiegel

Der Spiegel

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Süddeutsche Zeitung

Berliner Morgenpost

Neu Zürcher Zeitung

Die Tageszeitung

Die Zeit

Frankfurter Rundschau

T.V. 3 Sat

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Der Spiegel

Licht ins Dunkel
Die Erinnerung an historische Schuld scheint wie ein Fernrohr zu funktionieren erst in größerem Abstand kann sie präzise ausmachen, was da wirklich gewesen ist, ohne Beschönigungen, Ausflüchte, leugnende Unschärfen. Elsa Osorios Roman "Mein Name ist Luz" wirft diesen klarstmöglichen Blick zurück auf die Barbarei der argentinischen Juntas in den siebziger und achtziger Jahren, die in ihrem wahnhaften Kampf gegen die "Subversion" entführen, foltern, töten ließen. Ein wahres Buch also, und doch ist alles erfunden, so wundersam, so fesselnd, dass man es kaum aus der Hand legen mag. Die historische Wahrheit kommt daher als vorwärts stürmender Krimi, als Schicksalsroman, Familiendrama und Liebesgeschichte, und sie ist in weiten Teilen erzählt von einer jungen Frau, die schnörkellosen, modernen Klartext redet. Sie heißt Luz, und sie bringt Licht ins Dunkel. Sie ist auf der Suche nach ihren Eltern, denn sie spürt früh, dass sie nicht die Tochter derjenigen ist, bei denen sie aufwuchs. Nach und nach fügen sich ihre Recherchen und Erinnerungen zu einem biografischen Monstermosaik: Luz' Mutter wurde nach der Geburt getötet. Luz wurde der Tochter eines Oberst übergeben, die selber keine Kinder kriegen konnte. Ein Auftragskind: Der Oberst selbst hat den Mord an Luz' Mutter, der politischen Aktivistin, befohlen. Eine irreale Schauergeschichte? Tatsächlich wurde erst in den letzten Jahren ruchbar, dass es Dutzende, wenn nicht Hunderte Fälle von Kindsraub gab, und heute ist es vor allem dieser Straftatbestand, der es ermöglicht, einige der Militärs doch noch zur Rechenschaft zu ziehen Kidnapping war in den Amnestie-Regelungen, die sich die Militärs ausgehandelt hatten, glatt vergessen worden. Osorio, 48, erzählt mit einer erstaunlichen Disziplin. Das Gespräch zwischen Luz und ihrem leiblichen Vater etwa, den sie in Madrid aufstöbert, ist beileibe keine eifernde Philippika zweier Opfer gegen die Täter, sondern durchzogen von Resignation, Bitterkeiten auch zwischen den beiden, ja sogar Protesten: Luz wirft ihrem Vater vor, er habe nicht entschlossen genug nach ihr gesucht. Fehler, muss er gestehen, habe auch er begangen. Auch er habe das Vergessen, den Neuanfang gesucht. Er habe geglaubt, sie sei tot, wie ihre Mutter. Dieses Buch, das gegen das Vergessen geschrieben ist, ist selber eines, das man nicht vergisst.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Martin Grzimek

Sich selbst auf die Spur kommen
März 1976 in Argentinien Jorge Rafael Videla und das Militär die Macht übernahmen und das Land brutal von politischen Oppositionellen säuberten, "verschwanden" mehr als 20 000 Menschen, darunter Hunderte von Babys, die in den Militärhospitälern ihren Müttern weggenommen und unter den Angehörigen der Machthaber wie Beutegut verteilt wurden. Da die wahren Eltern zumeist hingerichtet wurden oder ins Ausland flohen, da Geburtsurkunden gefälscht und Krankenhausakten vernichtet wurden, wissen noch heute viele dieser inzwischen erwachsenen Kinder nichts über ihre wahre Herkunft und Identität.
Schon 1977 verurteilte die Genfer Menschenrechtskommission die Machenschaften des damaligen argentinischen Regimes, und schon früh haben sich die Eltern beziehungsweise Großeltern der Verschwundenen als die "Abuelas de Plaza de Mayo" zusammengeschlossen, um nach ihren Kindern und Enkeln zu suchen. Da aber im Zuge einer Generalamnestie unter der Regierung Menem die verantwortlichen Militärs juristisch nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden konnten, blieben die Suchaktionen der "Großmütter" weitgehend folgenlos. Erst das Auslieferungsverfahren gegen den chilenischen Exdiktator Pinochet und die Wiederaufnahme gerichtlicher Untersuchungen gegen ehemalige Machtinhaber des Militärregimes in Argentinien haben die Auseinandersetzung mit diesem Teil der jüngeren Geschichte des Landes wiederaufleben lassen.In dem Roman "Mein Name ist Luz" der in Madrid lebenden argentinischen Schriftstellerin Elsa Osorio macht sich die zwanzigjährige Luz auf die Suche nach Carlos Squirro, ihrem leiblichen Vater, und findet ihn in Spanien. Da Carlos nicht einmal von der Existenz einer Tochter weiß, erzählt die Tochter dem Vater in einer langen Nacht ihre Geschichte. Eine äußerst verzwickte Geschichte, wie der Leser bald merken wird, denn Steinchen für Steinchen fügt Elsa Osorio ein Lebensbild zusammen, das durch die Militärregierung brutal zerschlagen wurde.Als Luz im Militärhospital 1976 als Tochter einer verhafteten Oppositionellen geboren wird, ist längst klar, daß man sie der Mutter wegnehmen wird. Der Sergeant Pitiotti, bekannt und gefürchtet unter dem Namen "El Bestia", hat sie seiner Freundin Miriam, einem zur Edelhure avancierten Fotomodell, als Geschenk versprochen. Der Zufall will es, daß am Tage der Entbindung auch Miriana, die Tochter des einflußreichen Oberstleutnants Alfonso Dufau, im selben Hospital ein Kind zur Welt bringt. Aufgrund eines ärztlichen Kunstfehlers wird das Kind tot geboren. Um "Ersatz" zu schaffen, "beschlagnahmt" Dufau, den man auch den "Verwalter des Todes" nennt, kurzerhand das Baby der Oppositionellen und schiebt es seiner Tochter unter. Lediglich deren Mann Eduardo weiß von dem Tausch und der Fälschung der Papiere. Da Miriana nach der Totgeburt für einige Wochen ins Koma fällt, werden das Baby und seine Mutter für diese Zeit unter Bewachung in der Wohnung von "El Bestias" Freundin untergebracht.Miriam, die Prostituierte, und Liliana, Luz' Mutter, lernen sich während dieser Gefangenschaft kennen und beschließen, gemeinsam mit dem Kind zu fliehen und unterzutauchen. Aber die Flucht mißlingt, Liliana wird erschossen und Miriam weiß die Geschichte geschickt so darzustellen, daß kein Verdacht auf sie fällt. Da sie nun die ganze Brutalität von "El Bestia" beinahe am eigenen Leib erfahren hat, verläßt sie den Sergeanten, und es gelingt ihr jahrelang, sich vor seiner Verfolgung versteckt zu halten. Miriam ist die einzige Person, die Luz den Namen ihres Vaters überliefern kann, als das längst erwachsene Mädchen beginnt, aus dem Kreis der Lügen und Intrigen auszubrechen.Oberflächlich betrachtet hat Elsa Osorios Roman alle Eigenschaften eines guten Kriminalromans: Da gibt es die beiden Verbrecher Dufau und Pitiotti, die unschuldigen Opfer Liliana und Luz, das zwielichtige Milieu der Prostitution und das scheinheilige der oberen Schichten. Es gibt rätselhafte Indizien und verwischte Spuren, die Beseitigung von Zeugen und jede Menge andere Hindernisse zur Tataufklärung, und es gibt den unbeugsamen Willen der "Detektivin" Luz, die in eigener Sache ermittelt und schließlich, wie um ihrem Namen Genüge zu tun, "Licht" ins Dunkel bringt.Zwei Eigenschaften ist es zu verdanken, daß sich Elsa Osorios Roman nicht auf einen historisch verbrämten Krimi reduzieren läßt. Zum einen hebt die verblüffende Kenntnis der Details das Geschehen aus dem Fiktiven heraus. Nicht zuletzt deswegen hat man die Autorin des öfteren gefragt, ob ihr Buch autobiographisch sei, was sie stets verneint hat. Zum anderen aber schlüpft Luz, die Erzählerin, während ihrer Darstellung in die Rollen der so ganz unterschiedlichen Figuren hinein und berichtet aus deren Ich-Perspektive. Indem Luz sich zum Beispiel in die Prostituierte Miriam hineinlebt, teilt sie deren Schicksal, und zugleich rettet sich die Autorin vor dem Klischee. Miriam, Miriana, Liliana, Luz - nicht von ungefähr sind sich die Frauennamen fast zum Verwechseln ähnlich. Das Ensemble ihrer Stimmen klagt nicht an, sondern versucht aus individueller, gefühlsbestimmter Sicht, die Gewalttätigkeiten und das Erlittene zu begreifen. Die Frage der Schuld bleibt, Vorwürfe sind nicht gemildert, mörderische Taten nicht verjährt - die Frage ist nur, wie man diese Vergangenheit bewältigen soll.Ähnlich wie Gabriel García Márquez mit seinem dokumentarischen Roman "Nachricht von einer Entführung" schafft es die 48jährige Elsa Osorio mit "Mein Name ist Luz", den Leser davon zu überzeugen, daß die Mittel der Erzählkunst sich dort am wirksamsten zeigen, wo sie unseren Blick und unser durch die Phantasie geschärftes Interesse auf die Realität zurückführen.

 

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Süddeutsche Zeitung - Literaturbeilage

Hans-Jürgen Schmitt erkennt in dieser fiktiven Geschichte ein "unerhörtes Dokument", denn die Romanhandlung hätte seiner Meinung nach auch authentisches Zeugnis sein können, demonstriere sie doch ein Stück politischer Realität Argentiniens während der Militärdiktatur. Die historische Tatsache, dass Angehörige des Militärs weiblichen Gefangenen ihre im Gefängnis geborenen Säuglinge wegnahmen und anderen Militärs zur Adoption anboten, hat die argentinische Autorin zwar nicht als erste zum Thema gemacht, aber so eindringlich "wie kaum jemand zuvor" beschrieben, preist der Rezensent. Er lobt die sachliche und dennoch erschütternde Erzählweise der Autorin und betont, dass die "sex and crime"-Szenen, die im Roman gestaltet sind und ihm mitunter den "Atem stocken" ließen, niemals aus Voyeurismus, sondern stets als "Elemente der Wirklichkeit" eingeführt werden. Besonders begeistert ist er von der "Authentizität" der Figuren und dem großen Einfühlungsvermögen, mit dem die Autorin ihre Protagonisten beschreibt

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Berliner Morgenpost - Christiane Korff

Eine andere Kindheit

Elsa Osorio bewegt sich literarisch auf den Spuren der argentinischen Militärdiktatur
Luz ist sieben Jahre alt, als sie vor der Schule von einer Fremden angesprochen wird: "Deine Mutter ist nicht deine Mama." Doch erst sehr viel später, als Zwanzigjährige, macht sie sich daran, Licht in das Dunkel ihrer Herkunft zu bringen. Bei der Suche nach ihren wirklichen Eltern verlaufen viele Spuren im Sand, denn die Täter haben ihre Verbrechen geschickt vertuscht, während die Familien der Opfer aus Angst schweigen. Doch Schritt für Schritt gelingt es Luz, das Drama ihrer scheinbar normalen Kindheit zu enthüllen. Sie ist nicht die Tochter ihrer vermeintlichen Eltern, sondern einer politisch Verfolgten, einer "Verschwundenen", wie ermordete Mütter während der siebenjährigen Diktatur in Argentinien euphemistisch genannt wurden.In ihrem bewegenden Roman "Meine Name ist Luz" beschäftigt sich die Argentinierin Elsa Osorio mit einem Trauma ihres Landes während der Militärdiktatur, die von 1976 bis 1983 herrschte. Rund 30 000 Menschen wurden in den sieben Jahren des Grauens verschleppt, gefoltert und ermordet. Eines der perfiden Verbrechen war der systematische Kindesraub von Seiten des Militärs, das Frauen ihre Neugeborenen wegnahm und linientreuen Militärfamilien zur "Adoption" freigab. Die Mütter wurden nach der Geburt umgebracht. "In den meisten Fällen", sagt Elsa Osorio, "haben die Adoptiveltern die Wahrheit gekannt, und oft war der Täter, der die Schwangere gefoltert hat, der spätere Adoptivvater ihres Kindes."Dass die Aufarbeitung der Vergangenheit auch rund zwanzig Jahre später noch immer ein heikles Thema ist, erfuhr die Autorin, als sie das Manuskript ihres Romans verschiedenen Verlagen in Argentinien anbot. Immerhin hatte sie sich längst einen Namen gemacht als preisgekrönte Drehbuchautorin und Schriftstellerin. 1982 war sie mit dem renommierten Nationalpreis für Literatur ausgezeichnet worden. Dennoch wollte kein argentinischer Verlag "Meine Name ist Luz" veröffentlichen. Erst nachdem der Roman 1998 in Spanien erschienen und dort auf große Resonanz gestoßen war, brachte ihn der mexikanische Verlag Mondadori auf den südamerikanischen Markt.Dabei ist "Meine Name ist Luz" auch literarisch gesehen ein Meisterstück. Mit ihrer geschickten Erzählstrategie, das Schicksal seiner Heldin Luz in Rückblenden und durch verschiedene Stimmen wie ein Puzzle zusammenzusetzen, gelingt es Elsa Osorio, die Spannung zu halten und die Komplexität des Geschehens zu erfassen. Die unterschiedlichen Perspektiven geben der Geschichte von Opfern und Tätern einen dokumentarischen Anstrich und bewahren sie davor, in platte Schwarzweißmalerei abzugleiten. So hat Luz keine Hassgefühle ihren Stiefeltern gegenüber, da sie anerkennt, dass sie fürsorglich von ihnen behandelt wurde. Sie liebte ihren Adoptivvater, der die Wahrheit zunächst nicht kennt und seinem Schwiegervater, einem General, die Lüge abnimmt, dass Luz das Baby einer Prostituierten sei, die es nach der Geburt freiwillig weggegeben habe. Luz erkennt an, dass ihr Stiefvater später "sein Leben aufs Spiel gesetzt hat, um meine Herkunft herauszufinden". Ihrem leiblichen Vater hingegen, den sie als 22-Jährige aufspürt und in einem Café in Madrid trifft, wirft sie vor, dass er sich ins spanische Exil gerettet und nie Nachforschungen angestellt habe, nachdem seine schwangere Lebensgefährtin verhaftet worden war.Elsa Osorio, 1952 in Buenos Aires geboren, ist vor sechs Jahren nach Madrid gezogen. Dort fiel es ihr aufgrund der räumlichen Distanz zu ihrem Heimatland leichter, ihren Roman zu schreiben. Auf das düstere Thema der Kinder von "Desaparecidos" war sie gestoßen, als sie sich mit Müttern der "Plaza de Mayo" unterhielt, die jeden Donnerstag vor dem Regierungsgebäude in Buenos Aires gegen das Verschwinden ihrer Söhne und Enkel demonstrieren. "Die Handlung des Romans", sagt Osorio, "habe ich erdacht, aber sie verläuft ganz nah an der Realität." Reale Fälle, die den Hintergrund für die Geschichte bilden, fand die Autorin in geheimen Militärdokumenten und Protokollen der Prozesse, die gegen die argentinische Militärs wegen des systematischen Kindesraubs in Madrid wiederaufgenommen wurden.Osorio ist selbst in einer Menschenrechtsorganisation engagiert, die Fälle von Opfern und Betroffenen vor den spanischen Gerichtshof bringt. "Ich fordere", sagt sie, "rückhaltlose Aufklärung der Verbrechen und die Verurteilung der Schuldigen." Schließlich hätte ihr das gleiche Schicksal widerfahren können. Vor dem Staatsstreich hatte sie regelmäßig politische Kolumnen für ein linksliberales Blatt verfasst, als sie 1976, zu Beginn der Militärdiktatur, mit ihrem ersten Kind, einer Tochter, schwanger wurde. Und sie ist überzeugt davon, dass sie "Verantwortung" dafür trage, wie ihr Land mit seiner Geschichte umgeht: "Eine Gesellschaft, die ihre Vergangenheit zudeckt, kann in der Zukunft nicht mehr atmen."Die Reaktion ihrer Landsleute auf ihren Roman ist gespalten: "Die Opfer", sagt Elsa Osorio, "waren dankbar, und auch junge Leute sind sehr interessiert, mehr über dieses Thema zu erfahren. Aber die Mehrheit will die Gräuel ignorieren oder gar leugnen." Nur so kann sich die Autorin die Praxis von Buchhandlungen erklären, "Meine Name ist Luz" nicht öffentlich auszustellen, sondern nur auf Nachfrage "unter dem Ladentisch zu verkaufen". Dennoch wurden innerhalb eines Jahres achttausend Exemplare verkauft.

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Neu Zürcher Zeitung - Karl Marcus Gauss

Die Tochter der Verschwundenen
Elsa Osorios Roman "Mein Name ist Luz"
Da tauchen, aus dem Grab der Vergangenheit, plötzlich höchst lebendige Kinder auf. Ihre Existenz beweist, was die Militärs in Chile, Uruguay und Argentinien stets abgestritten hatten, dass sie nämlich während ihrer Diktatur nicht nur Leute ermordeten und verschwinden liessen, sondern auch deren Kinder an kinderlose regimetreue Paare verschenkten. Gesucht hatten nach diesen geraubten Kindern all die Jahre die Mütter der "Verschwundenen", die Eltern der Entführten, die sich in Organisationen vereinten und sich weder durch Repression noch durch wohlmeinende Vertröstungen davon abhalten liessen, Aufklärung zu begehren.
Jetzt tauchen die Kinder der Verschwundenen auf, und mit ihnen, die mittlerweile 20, 25 Jahre alt sind, kommt ein Geflecht aus Lüge und Täuschung zum Vorschein; und eine Tragik, die unauflöslich bleibt. Manche der Kinder sind vollständig in die Welt und Ideologie ihrer Adoptiveltern eingepasst und wollen von ihrer Herkunft gar nichts wissen, andere haben selbst gespürt, dass etwas mit ihrer Biographie nicht stimmt, und die Suche nach der schrecklichen Wahrheit aus eigenen Stücken vorangetrieben. Die schreckliche Wahrheit: dass sie von Menschen aufgezogen, behütet, geliebt wurden, die sich ihren Kinderwunsch nur erfüllen konnten, weil das von ihnenunterstützte Regime die leiblichen Mütter unmittelbar nach der Entbindung ermordete.Luz ist eine solche junge Frau aus Argentinien, die in der Familie, in der sie aufwuchs, ein Geheimnis erahnte, das sie nach dem Tod des von ihr innig geliebten "Vaters" - er ist es für sie und bleibt es auch, nachdem sie erfahren hat, unter welchen Umständen sie von ihm adoptiert wurde - in einem quälenden Prozess der Selbstfindung aufdeckt. Luz ist die Protagonistin in Elsa Osorios neuem, ihrem sechsten, im spanischen Original sehr erfolgreichen Roman, der in der deutschen Übersetzung den Titel "Mein Name ist Luz" trägt. Der Erfolg verdankt sich nicht nur der Aktualität, die das Thema in Lateinamerika hat, sondern auch der Art, wie die 1952 in Buenos Aires geborene, heute in Madrid lebende Autorin die Sache angeht. Osorio hat ausser Romanen auch viele Drehbücher verfasst, und die Technik, mit der sie Schauplätze, Milieus und Figuren ihres Romans wechselt, bald harte Fakten, bald heftige Gefühle bietet und Sex, Gewalt, Romantik kalkuliert dosiert, mag sie vom Film gelernt haben. Man kann darüber mäkeln, dass hier politische Barbarei den Stoff für einen Unterhaltungsroman abgibt, aber man muss anerkennen, dass der Autorin ein fesselndes Buch gelungen ist, das erschüttert, auch wenn es bisweilen nur knapp am Kitsch vorbeiführt. - Die Geschichte wird vom Ende her aufgerollt. 1998 kommt eine junge Argentinierin nach Madrid, um sich mit einem Emigranten in mittleren Jahren, von dessen Existenz sie auf verschlungenen Wegen erfahren hat, zu treffen. Die langen Gespräche, die Luz mit Carlos führt, geben ihr die Gewissheit, dass dieser ihr leiblicher Vater ist; der war 1975 vor den Häschern geflohen und hat zwar gewusst, dass seine Geliebte ermordet wurde, nicht aber, dass sie zuvor ein Kind geboren hat. Luz, in der Oberschicht aufgewachsen, hat sich selbst auf die Spur ihrer wahren Eltern setzen müssen, was sie Carlos durchaus vorhält: "Als ich gesagt habe, dass mich niemand gesucht hat, meinte ich damit eine Grossmutter wie die von der Plaza de Mayo. Oder einen Vater, einen Onkel, einen Blutsverwandten. Es gab nämlich durchaus jemanden, dersich die Mühe machte, meine Herkunft zu erforschen: Edoardo."Eduardo, und das ist das Bemerkenswerte, war der Adoptivvater von Luz, der als aufstrebender Geschäftsmann in die führenden Schichten eingeheiratet hatte. Selbst er, der das geraubte Kind adoptiert, ist über dessen wahre Identität und das Schicksal der Mutter die längste Zeit im Unklaren gewesen. Nach und nach entfremdet er sich der führenden Kaste, sucht die Begegnung mit Leuten, die nicht im Dienste des Regimes stehen, und macht sich schliesslich, ehe er stirbt, selbst daran, die leibliche Mutter von Luz zu suchen. Findet er sie auch nicht, weil die Obristen ihre Taten administrativ zu vertuschen wussten, hinterlässt er seiner Tochter doch wesentliche Hinweise. Und dieGewissheit, von ihm geliebt worden zu sein. Darum kann Luz zu Carlos sagen: "Nach allem, was ich dir erzählt habe, musst du denken, dass meine Kindheit und meine Jugend nur aus Qualen bestanden haben. Aber so war es nicht . . . Es gab auch ganz was anderes." Schön ist etwa noch nach zwanzig Jahren die Erinnerung daran, "wie Papa mir vor dem Einschlafen immer Märchen erzählte". Eine Figur wie Edoardo, unabhängig davon, dass es sie so oder ähnlich auch in der Realität geben mag, kommt jedenfalls dem Roman sehr zugute. Sie verhindert, dass die Kräfte von Gut und Böse schematisch verteilt werden, wie Osorio überhaupt die Fähigkeit hat, Menschen mit ihrem Widerspruch und in ihren schillernden Facetten zu zeigen.Bis Luz zu ihren Wurzeln gelangt, zu jenen schrecklichen Ereignissen des Jahres 1976, als aus dem Säugling einer "Subversiven" amtlich die Enkelin eines Generals wurde, hat sie eine komplizierte, langwierige, oft entmutigende Suche zubestehen, die Osorio mit den Mitteln des Kriminalromans gestaltet. Sie bekommt es mit amtlichen Täuschungen zu tun und mit Menschen, die in der fortgesetzten Selbsttäuschung leben. Die einen wissen von nichts, die anderen wollen nichts wissen, die Dritten geben sich mit Lügen zufrieden, und die meisten suchen ihre Selbstzweifel zu unterdrücken und sich an die Lüge ringsum zu gewöhnen. Wie es eben so ist, im ganz normalen Leben, und wie es eben auch notwendig ist, dass Diktaturen funktionieren.

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Die Tageszeitung

Die Rezensentin ist der Autorin selbst begegnet und beschreibt sie als zierliche, aber willenstarke Frau: Journalistin, Schriftstellerin, Drehbuchautorin, wohnhaft in Madrid, aber - thematisch - fest in ihrer argentinischen Heimat verwurzelt. Für ihren sechsten Roman hat sie laut Kühl ein aktuelles und brisantes Thema aufgegriffen: etwa 400 bis 500 Kinder wurden während der Militärdiktatur entführt und kinderlosen Familien der Militärs zugeführt, die eigentlichen Eltern wurden umgebracht. Erst in den letzten Jahren sei in der argentinischen Öffentlichkeit das Bewusstsein für diese Problematik erwacht. Die Protagonistin von Osarios Roman ist ein solches Kind einer "Ermordeten", das sich als junge Frau auf die Suche nach ihrer Vergangenheit macht und ihren echten Vater aufstöbert. Leider, bedauert Kühl, komme der Roman nicht ohne Klischees aus, weder sprachlich noch inhaltlich. Auch politisches Bewusstsein lasse die Autorin vermissen, was Kühl mit einem Zitat der Autorin belegt und erklärt: "Mich interessieren die normalen Menschen, die Kinder ohne heroische Großmütter." Bei Osorio ist es die Liebe, die schließlich die Verhältnisse zum Besseren wendet.

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Die Zeit
Solange Elsa Osorio die "ordinäre, naiv-gerissene" Miriam Lopez mit ihrer "Gossenschnauze" erzählen lässt, wie ihr Geliebter, ein argentinischer Folterknecht, einer eingekerkerten Guerillera das Kind wegnehmen ließ, ist Dorothea Dieckmann ganz zufrieden mit dem Roman. Die "erfrischende Stimme" Miriams bewahre die Handlung vor zu viel Ähnlichkeit mit einer Seifenoper. Wenn das adoptierte Kind, die inzwischen 20-jährige Luz, dann aber ihrer Vergangenheit nachspürt, wird es der Rezensentin doch zu "trivial". Das liegt vor allem an der "literarischen Bescheidenheit" der Autorin - die die vergangenen 20 Jahre abgespule wie ein "unambitioniertes Drehbuch". Die Geschichte wird zunehmend mit "Vulgärpsychologie und erzählerischen Klischees" zusammengehalten, klagt Dieckmann

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Frankfurter Rundschau
Zu Zeiten des argentinischen Miltärregimes wurden die Waisen von Regierungsopfern an regimetreue Familien gegeben. Dieses Themas hat sich jetzt Elsa Osorio fiktional angenommen. "Gestohlene" Kinder ist ein schwieriges Thema, und insgesamt gefällt dem Rezensenten Eberhard Falcke die Aufbereitung dieser Geschichte ganz gut. Er lobt die verschiedenen Perspektiven, aus der die Geschichte erzählt wird und die vielschichtigen Aspekte, die in die "versiert gebauten Handlung" eingebaut wurden. Herausgekommen ist seiner Meinung nach ein "Menschenrechtsthriller". Was Falcke stört ist der allzu menschelnden Blick, zu dem so ein Schicksal einlädt: "Das ist für die Spannungsdramaturgie des Romans günstig, bringt jedoch die Durchleuchtung der Diktatur wenig voran".

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T.V. 3 Sat
Immer schon hatte sie das unbestimmte Gefühl, dass zwischen ihrer Mutter und ihr eine unsichtbare Wand bestünde, dass die Liebe ihrer Mutter nicht grenzenlos sei.
Sie wächst privilegiert auf, wohlhabend, als Enkelin eines hohen Funktionärs des argentinischen Militärregimes, abgeschottet von einem anderen Leben, das sich außerhalb ihrer fest umgrenzten Erlebniswelt abspielt. Sie ahnt nicht, dass sie in einem Land aus Tätern und Opfern als Tochter von Opfern in einer Familie von Tätern aufwächst. Wie sollte sie auch? Wie sollte sie, die Enkelin General Dufaus, wissen von Entführung, Folter Mord, - von "Verschwundenen" und den Säuglingen der "Verschwundenen"?
Zwanzig Jahre wird das Mädchen Luz brauchen, um Licht in das Dunkel ihrer eigenen Biografie zu bringen.
Elsa Osorios Roman beschäftigt sich mit einer besonders abscheulichen Facette skrupellosen und verbrecherischen Handelns der Militärs im Argentinien der 70er Jahre:
Täglich "verschwinden" Regimekritiker, darunter junge, schwangere Mädchen. Die Mütter wurden nach der Geburt getötet, ihre Säuglinge wurden "inoffiziell" an kinderlose regimetreue Familien verschenkt.
Diesem furchtbaren Kapitel der Geschichte ihres Landes widmet Elsa Osorio diesen Roman.
Sie erzählt schmucklos, fast distanziert. Niemals erliegt sie der Gefahr, das tragische Geschehen zu ästhetisieren, in die Nähe opulenter Hollywood-Inszenierungen zu geraten.
Dennoch ist das Erzählgerüst formal sehr gelungen aufgebaut. Die Erzählperspektiven wechseln, und die Autorin offenbart darin eine große Fähigkeit, sich in die unterschiedlichsten Psychen einzudenken und zu -fühlen.
Wenn sie ein Kapitel aus der Sicht des Folterers El Bestia beendet habe, erzählt die mädchenhafte, zarte Autorin, dann habe sie duschen müssen, um sich von ihrem unangenehmen Körpergefühl zu befreien. Lange hat sie, die eine Hassliebe mit ihrem Land verbindet, in Argentinien einen Verleger für ihr Buch gesucht, und das, obwohl sie Trägerin des "Premio Nacional de Literatura" Argentiniens ist. "A veinte anos; Luz" erschien zunächst im Ausland.
Der Insel Verlag präsentierte diesen Roman anlässlich der Buchmesse in deutscher Übersetzung von Christiane Barckhausen-Canale. Ein berührendes, eindrückliches Leseerlebnis! Bettina Von Feil

 

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Die geraubte Identität - Elsa Osorio schreibt über ein dunkles Kapitel der argentinischen Geschichte
Aus dem Spanischen von Christiane Barckhausen-Canale.
Insel Verlag, Frankfurt/M. 2000, 425 S.

Die Argentinierin Luz verabredet sich in einem Madrider Café mit einem Unbekannten, ihrem Vater. In langen Rückblicken erzählt sie ihm, dem einstigen politischen Flüchtling, von der Suche nach ihren leiblichen Eltern. Die Handlung von Mein Name ist Luz kreist um ein Thema von aktueller Brisanz, dem systematischen Kinderraub in Argentinien. Nach dem Militärputsch 1976 verschonten die neuen Machthaber inhaftierte Schwangere von der Folter, töteten sie nach der Geburt ihrer Kinder und übergaben diese regimetreuen Ehepaaren. Erst in den letzten Jahren kamen nach und nach einige Fälle ans Licht, nicht zuletzt durch das Schicksal bekannter Persönlichkeiten wie des Dichters Juan Gelman, der seine Enkelin nach 23jähriger Suche im Nachbarland Uruguay ausfindig machte. Die Argentinier Elsa Osorio war eine der ersten, die den planmäßigen Kindsraub in ihrem Roman öffentlich machte. Nüchtern beschreibt sie die Konsequenzen des unfaßbaren Schwindels für die Protagonistin Luz. Behütet wächst sie in der Familie eines ranghohen Militärs auf, bis sie erfährt, daß sie die Tochter einer „Verschwundenen“ ist. Allein auf sich gestellt, versucht sie, die Wahrheit über ihre Herkunft zu erfahren. Der spanische Titel - A veinte años, Luz - hat eine doppelte Bedeutung: „Luz, mit zwanzig Jahren“ oder „Nach zwanzig Jahren Licht“.

Das sechste Buch von Elsa Osorio ist weder Politthriller noch Kriminalroman. Die Autorin macht das Verbrechen in seiner menschlichen Dimension deutlich. Sie schneidet die Perspektiven von Tätern und Opfern gegeneinander, die wie ein Zeitdokument wirken. Gefühle sind ziemlich zurückgenommen, Schuldzuweisungen fehlen. Selbst „El Bestia“, oberster Folterknecht in einem Lager, wirkt bei dem Versuch rührend und fürsorglich, seiner Lebensgefährtin Miriam jeden Wunsch zu erfüllen, auch nach einem Kind. Elsa Osorio hebt einzelne Abschnitte aus dem Leben von Luz hervor: Die Umstände ihrer Geburt, die unbeschwerte Kindheit, die Bestrebungen ihres unfreiwilligen Adoptivvaters, die Wahrheit ans Licht zu bringen, die Loslösung von der Familie und die Nachforschungen nach den wahren Wurzeln. Das Verbrechen rumort in den Köpfen der Mitwisser und Mitläufer und führt dazu, daß einige schließlich über ihre dahinplätschernde Existenz hinaus wachsen.

Die gegensätzlichen Bemühungen von Aufklärern wie den Mütter der „Plaza de Mayo“, denen das Schicksal anderer nicht gleichgültig ist, und den Verbrechern der Militärdiktatur, die seit der Generalamnestie in den 80er Jahren geschützt sind, spaltet auch heute noch die Gesellschaft in Argentinien. Unter dem beachtlichen Figureninventar befinden sich keine authentischen Personen. Ebensowenig beinhaltet Mein Name ist Luz autobiographische Elemente. Elsa Osorio hat die Erlebnisse vieler Menschen in ein Romangeschehen umgesetzt, das sich so hätte ereignen können.


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Mein Name ist Luz

Bei ihren Bemühungen, sich am Ende der Diktatur durch ein Schlusspunktgesetz Straffreiheit zuzusichern, hatten die Militärs in ihrer Liste zu amnestierender Delikte übersehen, dass ihnen auch für die Entführung neugeborener Kinder politischer Gefangener, die kinderlosen Militärs oder deren Verwandten „geschenkt“ wurden, der Prozess gemacht werden kann. In den letzten Jahren gab es deswegen schon eine Reihe von Festnahmen. Ein brandheißes Thema, das die in Madrid lebende argentinische Journalistin, Dozentin und Drehbuchautorin Elsa Osorio (geb. 1952) mit ihrem Roman „Mein Name ist Luz“ aufgreift.

Die 20-jährige Luz aus Buenos Aires trifft sich in Madrid mit ihrem leiblichen Vater Carlos, einem Exilanten, der nichts von Luz’ Existenz weiß. In einem den Roman umspannenden Gespräch bringt sie ihm die Geschichte ihres Lebens und ihrer Entdeckung nahe, das Kind einer Verschwundenen und von ihm, Carlos, zu sein. Luz wuchs in einer reichen Familie auf; ihr Großvater, ein Militär, hatte sie als Säugling von der gerade niedergekommenen politischen Gefangenen Liliana als Ersatz „besorgt“, weil seine eigene Tochter Mariana eine Totgeburt hatte. Mariana selbst wird nicht eingeweiht, ihr Ehemann Eduardo willigt mit schlechtem Gewissen in das Manöver ein, ohne die wirklichen Dimensionen zu ermessen. Erst viel später gehen ihm allmählich die Augen auf, als er die Jugendfreundin Dolores wiedertrifft, die ins Exil musste und nun auf der Suche nach dem Kind ihres verschwundenen Bruders heimlich Station in Buenos Aires macht. Eduardo, der sich ohnehin von der kaltblütigen Mariana entfremdet und in Dolores verliebt hat, konfrontiert seine Frau mit seinem Verdacht des Kindesraubs und Muttermords. Mariana lässt ihn abblitzen. Auf der Suche nach der wahren Mutter wird Eduardo von einem vom Schwiegervater beauftragten Killer ermordet. Mariana heiratet wieder und zieht die weiterhin ahnungslose Luz voller Misstrauen deren vermeintlich „niederen“ Erbgut gegenüber auf. Aufgrund ihrer ersten Liebe, dem Sohn eines Verschwundenen, beginnt Luz etwas von ihrem eigenen Schicksal zu erahnen. Sie nimmt, als sie selbst schwanger wird, die Suche auf, die sie endlich zu ihrem Vater Carlos führt. Eine wichtige Person bei der Suche ist Miriam, ehedem Hure und Braut eines subalternen Foltermilitärs. Er hatte die gefangene Mutter in den ersten Lebenswochen von Luz bis zur vorgesehenen „Übergabe“ bei Miriam versteckt. Trotz Kontaktverbots baut Miriam eine Beziehung zu Liliana und ihrer Tochter auf. Als sie erfährt, dass Liliana bald umgebracht werden soll, hecken beide Frauen einen Fluchtplan auf. Er misslingt. Liliana wird auf der Stelle erschossen, Miriam verspricht der Sterbenden, ihrer Tochter die Wahrheit zu erzählen, und entkommt. Nach vielen Jahren und etlichen thrillermäßigen Wirren gelingt es ihr, dieses Versprechen einzulösen. Und alle Guten finden sich.

In einem seltsamen Gegensatz zu dem ebenso furchtbaren wie realitätsnahen Hintergrund der Geschichte stehen die Motivationen und Handlungsweisen der Figuren, die einem Gartenlaubenroman entsprungen scheinen. Alle guten Charaktere triefen nur so vor Edelmut. Miriam, die Hure, wird in der Liebe zum Neugeborenen zur „wahren“ Mutter, die fortan instinktiv den richtigen Pfad findet und den richtigen Menschen vertraut. Desgleichen Eduardo. Beide waren bis zur ersten „wirklichen“ Liebe zum Kind bzw. zu Dolores blind für die Verhältnisse. Nur das Herz – und nicht der Blick auf die Straße – weist den Weg. Mutterliebe ist dabei die höchste Form des Verstehens – auch Luz begreift erst als Schwangere. Die politischen Gefangenen, erfahren wir aus Gesprächen über sie, nicht aus Handlungen, kämpften für eine gerechtere Gesellschaft; die übrigen ProtagonistInnen indessen haben von deren Fehlen offenbar nichts gemerkt, bis dass die Stimme eines geliebten Herzens sie weckte.

Zu oft gerät die Handlung an die Grenzen dessen, was eine im Kern aufklärerische Idee verträgt. Dass sich zuerst und vor allem durch reine Liebe in allen ihren Formen die grausame Wirklichkeit erkennen und mit der höchsten Opferbereitschaft überwinden lässt, ist eine Botschaft, die der auch sozialen und politischen Komplexität des Dramas der gestohlenen Kinder letztlich nicht gerecht wird. Elsa Osorio hätte aus ihren vielen guten Ansätzen weitaus mehr machen können. als ein Rührstück.

Gaby Küppers

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